Ein brandheißes Hobby

Gepostet Von am 2014-10-17


In seinem Job bei KUKA muss Christoph Hunglinger nur selten Brände löschen, in seiner Freizeit dafür umso öfter. Eigentlich hat Christoph Hunglinger einen Schreibtischjob. In der konstruktiven Abwicklung im Bereich Body Structures bei KUKA Systems in Augsburg prüft er Konstruktionen. Als Verbindungsglied zwischen externen Konstruktionsbüros, der Abteilung Konstruktion, der Montage und dem Kunden prüft er Zeichnungen auf Maßhaltigkeit, Funktion und logische Abläufe. Zudem ist er im Service-Support tätig. Zusammen mit einer Kollegin gibt er regelmäßig Schulungen für CATIA, ein CAD-Programm für 3D-Zeichnungen. Aber wieso nun das Foto als Feuerwehrmann? Christoph Hunglinger macht gerade eine Schulung zum Maschinisten bei der Freiwilligen Feuerwehr im Augsburger Stadtteil Pfersee. Auf dem KUKA Gelände, genauer gesagt auf der ehemaligen Panzerteststrecke, wurde dazu ein Fahrlehrgang organisiert. Hier trainieren die Teilnehmer mit großen Löschfahrzeugen das Rückwärtsfahren, das Umfahren von Hindernissen oder das Fahren auf Anweisung.

 

50 Einsätze im Jahr

Brandschutz ist eine kommunale Pflichtaufgabe. In Augsburg gibt es deshalb die Berufsfeuerwehr. „Diese wird von den Freiwilligen Feuerwehren in den Stadtteilen unterstützt, auch um die Hilfsleistungsfrist, also die Zeit, bis die Feuerwehr vor Ort ist, zu reduzieren“, erklärt Hunglinger. Ganze sieben gibt es davon in Augsburg. Mit sechzehn Jahren ist der KUKAner der Jugendwehr beigetreten und seitdem dabei. Als sogenannter Atemschutzträger geht er, jeweils durch einen Kollegen abgesichert, direkt an den Brandherd. Dabei ist er besonderen Herausforderungen unterworfen. Ein Atemschutzträger muss sehr fit sein und regelmäßige Untersuchungen und Tests bestehen. Doch nicht nur, wenn es brennt, kommt die Feuerwehr. Bei Unwetternotrufen werden beispielsweise nur die Freiwilligen Feuerwehren alarmiert, die Berufsfeuerwehr kommt, wenn Tiere in Not sind, Öl auf der Straße ist oder Türen geöffnet werden müssen. Im Unfall- oder Brandfall werden beide Wehren informiert. Die Pferseer Wehr wird mit einem stillen Alarm in Bereitschaft versetzt, und das normalerweise in der Zeit zwischen 17:00 und 7:00 Uhr, beziehungsweise an den Wochenenden. Nur in Sonderfällen, als zum Beispiel eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Lech gefunden wurde, wird auch tagsüber Alarm ausgelöst. Wer Zeit hat, kommt. Für einen Einsatz ist ein Trupp von bis zu acht Personen pro Fahrzeug notwendig. Das heißt, mindestens ein Gruppenführer, ein Maschinist und im Brandfall mindestens zwei, besser vier Atemschutzträger und weitere aktive Mitglieder müssen dabei sein. Da immer zwei Feuerwehrleute vorgehen müssen, braucht man mindestens die doppelte Anzahl als Rettungstruppe dahinter. „So ein ‚richtiges‘ Feuer, wie man es in Filmen oft sieht, ist Gott sei Dank selten geworden“, so Hunglinger, „darüber sind wir sehr froh. Die Wohnungen und Häuser sind heutzutage fast alle mit Rauchmeldern ausgerüstet, das merkt man. Meistens sind es Raucheinsätze.“ Circa 50-mal pro Jahr muss die Freiwillige Feuerwehr Pfersee ausrücken.

 

Übung muss sein

Alle zwei Wochen gibt es eine meist praxisorientierte Übung zum Löschen, Retten oder Fahren von Noteinsätzen. Bei Hunglinger ist nach einer so langen aktiven Zeit viel Routine dabei, dennoch muss er regelmäßig trainieren, um im Notfall gerüstet zu sein. Die technischen und zeitlichen Anforderungen sind stark gestiegen und die Feuerwehren einem Wandel unterzogen. Die gesamte Ausrüstung ist anspruchsvoller geworden. Im Moment macht Hunglinger deshalb eine Aufbauschulung zum Maschinisten. Dort lernt er beispielsweise genau, wie die Pumpe bedient werden muss oder andere Gerätschaften der Feuerwehr funktionieren. Außerdem macht er den Führerschein für die großen Löschfahrzeuge, von denen die Pferseer Feuerwehr drei Stück hat. Als Maschinist wird er weniger im Gefahrenbereich sein, aber in der nächsten Zeit wird er als Atemschutzträger in einer Doppelfunktion mitfahren. Weiter aufsteigen in der Kommandostruktur will er aber nicht. Er ist schließlich auch noch Fachübungsleiter bzw. Trainer für Skibergsteigen und Hochtouren im Alpenverein und dort ebenfalls sehr aktiv. Die Feuerwehr nehme dennoch einen großen Teil seiner Freizeit in Anspruch, sagt er, und: „gerade deshalb finde ich es besonders toll, dass wir die Schulung auf dem KUKA Gelände machen durften.“

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