Benno Fürmann bei KUKA

Gepostet Von am 2012-11-27


Der Schauspieler zu Gast in Augsburg an der Werkbank

Der deutsche Schauspieler Benno Fürmann besuchte KUKA Systems im Rahmen seiner Dreharbeiten. Für seinen neuen Film „Weniger ist mehr“ verbrachte er einen Tag in den „heiligen“ Hallen des Augsburger Anlagenbauers. Ulrich Pfaffenberger, freier Redakteur und Josephin Schmidt, Specialist Marketing | Communication KUKA Systems nutzten die Gelegenheit für ein Interview, um mehr über die neue Filmrolle und sein soziales Engagement zu erfahren.

Ulrich Pfaffenberger, Josephin Schmidt: Welche Rolle spielen Sie in dem Film, für dessen Dreharbeiten Sie hier zu KUKA Systems gekommen sind?
Benno Fürmann: Ich spiele Frank Schuster, den Leiter eines Autozulieferers, der in seinem Job hervorragend ist, allerdings klein angefangen und sich im Unternehmen hochgearbeitet hat. Was repariert werden muss, repariert er lieber selbst, er delegiert nicht gern. Ein praktisch veranlagter Typ, der mir persönlich sehr sympathisch ist. Ich schätze Menschen, die ihren Betrieb gut, fair und effizient leiten und wissen, wie man einen Schraubendreher in die Hand nimmt.
Nach einem Unfall entscheidet sich der Leiter des Unternehmens, Frank Schuster, das Leben etwas langsamer angehen zu lassen. Bei der Konzentration auf das Wesentliche hat er dabei zunächst einmal große Schwierigkeiten. Für jemanden, der bisher immer 18 Sachen gleichzeitig gemacht hat, ist es extrem schwierig, auf einmal gar nichts mehr zu tun. Das funktioniert ganz und gar nicht. In seiner Langeweile sucht er Aufgaben zu Hause und macht damit seiner Familie das Leben zur Hölle. Er ist einfach ein Macher….

Wie Sie den Mann schildern, hat die Rolle auch etwas mit dem Übernehmen von Verantwortung zu tun. Gilt das nur für sich selbst?
Nein, auch für andere. Ich sehe den Mann nicht nur als fairen Chef, sondern auch als verträglichen Familienvater, der permanent im Hamsterrad läuft. Geht die eine Richtung nicht, bewegt er sich in die Andere. Die Familie läuft dabei hinterher, das bedeutet allerdings nicht, dass er sie vergisst. Er läuft nur schon mal vor, denn er weiß, was am besten ist.

Ist aus Ihrer Sicht so ein „Macher“ auch ein guter Chef-Typ?
Hmm, ja! Weil er die Probleme der Mitarbeiter versteht. Er kennt es, weil er es selbst erlebt hat. Er weiß, wie sich Werkzeuge und Maschinen anfühlen und kennt die Probleme mit den Arbeitsumständen und Arbeitszeiten.

Was gefällt Ihnen an der Rolle? Liegt sie Ihnen? So einen Typ haben Sie bisher ja noch nicht gespielt.
Für mich ist es schön, dass ich langsam aber sicher in andere Rollen hineinwachse. Im Film ist meine älteste Tochter sechzehn, die andere neun Jahre alt. Wir haben es hier mit einem gestandenen Mann zu tun, der in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und nicht mehr nach seinem Platz oder seiner Aufgabe sucht. Frank Schuster steht stellvertretend für viele von uns, die Ende 30, Anfang 40 sind. Er stellt irgendwann fest, dass die Entscheidungen, die er getroffen hat, eine eigene Welt haben entstehen lassen, die nicht mehr so offen ist, wie sie einmal schien. Und darum fragt er sich, mitten im Alltagstrott: Ist das alles gewesen? Ich finde diese Frage sehr interessant, weil ich diese für mich persönlich nach 20 Jahren beim Film auch beantworten will. Mir macht meine Arbeit nach wie vor Spaß, allerdings die Möglichkeit, einmal ein ganz anderes „Pferd zu besatteln“, halte ich mir offen.

Ohne die Spannung ganz zu nehmen: Geht die Story gut aus?
Es geht gut aus, ja. Aber es nimmt noch einige unerwartete Wendungen.

Sie spielen Ihre Rolle in der „old Economy“ – Schrauben, Löten, Schweißen. Haben Sie zu dieser Welt einen persönlichen Bezug? Haben Sie als Kind vielleicht mit Technikbaukästen gespielt?
Na klar. Ich habe „Fischertechnik“ geliebt. Je höher, desto besser. Mein großer Traum war immer ein ferngesteuertes Auto, das hat sich leider irgendwie nicht ergeben. Ich habe auch wochenlang versucht, meine Tochter zu Bauklötzchen-Architektur zu animieren. Sie war da leider mitten in einer Mädchenphase, da hatte ich gegen die Puppen keine Chance. Jetzt malen wir eben Bilder zusammen, das macht genauso viel Spaß.

Hatten Sie schon einmal einen Dreh in Augsburg?
Ich kann mich nicht erinnern. Ich glaube, das ist wirklich das erste Mal. Wobei ich dazu sagen muss, dass Schauspieler oft an Orte kommen und gar nicht wissen, wo sie sind. Man ist konzentriert, man stellt sich auf seine Szene ein, bespricht die Szene mit dem Regisseur und fängt an zu drehen. Von den Drehorten selbst sieht man oftmals nur wenig.

Der Fußballverein wäre vielleicht mal einen Blick wert…
Selbst da bin ich nicht auf dem neuesten Stand. Ich bin mehr so ein „Mädchen“-Fußballgucker. Ich freue mich, wenn unsere Nationalmannschaft eine gute Figur macht.

Sie sind „Waldmeister“ 2011/2012, also Botschafter für den Wald im Auftrag des World Wildlife Fund WWF. Ist das ein Thema, das Sie den Chefs im Lande einmal nahelegen würden?
Ich finde, es gibt heutzutage keine Entschuldigung mehr, umweltpolitisch nicht zu versuchen, auf dem neuesten Stand zu sein und sich permanent zu verbessern. Wir alle müssen gemeinsam daran arbeiten, damit diese Welt für unsere Kinder erhalten bleibt. Ich stelle immer häufiger fest, dass ein allgemeines Umdenken stattfindet. In den 90er Jahren wurden grüne Politiker belächelt. Mittlerweile ist das Thema Umweltschutz in der Mitte unserer Gesellschaft. Wir alle müssen nachhaltiger sein und dürfen nicht länger Raubbau an diesem Planeten betreiben. Es fängt damit an, das Licht auszuschalten, wenn wir aus dem Raum gehen oder, dass wir möglichst oft das Auto stehen lassen. Und dazwischen ist die Sache mit den Kaffee-Pappbechern. Bei der Übernahme der Botschaftertätigkeit für den WWF und der Waldmeister-Tätigkeit erschreckten mich die Zahlen dieser „Unkultur“. Es ist Wahnsinn, welche Folgen dieser ganze „To Go“- Quatsch nach sich zieht. Natürlich ist das angenehm, aber heutzutage können wir das nicht mehr verantworten.

Sie haben in der jüngsten Tom Sawyer-Verfilmung mitgespielt – ein Jugendtraum?
Jaaaa!

Aber Sie spielen Indianer Joe, den „bad guy“…
Der „bad guy“ ist immer die beste Rolle. Bei den Premieren sind die Kinder fasziniert von mir. Sie haben Angst, finden mich aber gleichzeitig riesig cool und scharwenzeln um mich herum, weil sie herausfinden wollen, ob der Typ wirklich so böse ist. Ich merke, wie sie mich unter die Lupe nehmen. Und es macht mir auch Spaß, ihnen dann zu erklären, dass ich nur ein Schauspieler bin. Indianer Joe zu sein, also einer, der nach außen hin böse ist und moralisch verwerfliche Dinge tut, ist das Eine. Das Andere ist, dass dieser Mann eingebettet ist in eine Erzählstruktur, die berichtet, wie er unter Rassismus leidet. Weil er eine Rothaut ist, darf er nicht mitspielen, bekommt im Saloon nichts zu trinken, wird getreten wie ein Hund. Das aber weiß man: Getretene Hunde werden irgendwann wahnsinnig gefährlich. Dafür steht die Rolle. Das kann man auch Kindern begreiflich machen: Es gibt Taten, die sind durch nichts zu rechtfertigen. Aber niemand wird böse geboren.

Ist das nicht das Schöne am Schauspielern – das man eine Botschaft weitergeben kann und nicht nur Kostüme und Texte wechselt?
Das ist so. Und gerade bei Kindern habe ich da eine Möglichkeit, etwas Neues zu geben, ein paar moralische Eckpfeiler zu setzen.

Gibt es noch eine Figur, die für Sie eine Traumrolle wäre?
Das ist immer so eine Sache. Viel wichtiger als das, was man erzählt, ist, wie man erzählt. Ich könnte jetzt sagen: Psychopath, Kriminalhauptkommissar oder Bäckermeister. Aber die persönliche Vita hinter der Rolle ist doch das Spannende. Mich interessiert die Dimension einer Geschichte – und danach suche ich.

Das Interview führte Ulrich Pfaffenberger und Josephin Schmidt.

 

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