Doppelt hält besser

Gepostet Von am 2014-12-04


Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogparade „Azubi 2014: Lohnt sich die Ausbildung noch?” der Karrierebibel. Weitere Infos finden Sie hier: Blogparade Azubi

Nach Christinas Artikel über ihr duales Studium haben uns einige Fragen zu dem Thema erreicht. Wie genau läuft das ab? Wo kann ich mich darüber informieren? Ist das nicht furchtbar stressig? Als Antwort darauf, kann ich Euch ein bisschen aus meinem Alltag erzählen: Ich studiere Elektrotechnik im Verbundstudium und bin im Moment im Praxissemester bei KUKA in der Elektrokonstruktion.

Das erste Lehrjahr beginnt zunächst ganz „normal“ mit der Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik unter allen anderen Azubis. Für die Verbundstudenten gibt es dabei eine eigene kleine Klasse mit ca. 10 Leuten, die den Berufsschulunterricht im Block, ungefähr einmal im Monat besuchen. Gleichzeitig ist man im ersten halben Jahr in der Lehrwerkstatt eingesetzt und lernt einige Grundfertigkeiten, wie zum Beispiel Installationsschaltungen, Motorentechnik, elektronische Bauelemente oder die Bedienung von Messgeräten. Hierzu gehören auch ein Pneumatik- und Hydraulikkurs und eine Schulung zu Roboterprogrammierung.

Im zweiten Halbjahr lernt man die Produktion im Werk kennen und durchläuft in sechswöchigen Zeitabschnitten verschiedenste Abteilungen (z.B. Reparatur, Instandhaltung, Elektrovormontage) – eine unbezahlbare praktische Erfahrung für die spätere Arbeit als Ingenieur. Zu Beginn des zweiten Lehrjahres absolviert man dann bereits den ersten Teil der Abschlussprüfung, die Zwischenprüfung.

Danach beginnt im Oktober das erste Semester an der Hochschule Augsburg. Hier steigt man zum Wintersemester unter allen anderen Elektrotechnik und Mechatronik Studenten ein. Während des Semesters ist man dann wie jeder andere Student an der Hochschule, in den Semesterferien wieder im Beruf. Nun aber nicht mehr in der Produktion, sondern in so genannten „ingenieursnahen Tätigkeiten“, und unterstützt zum Beispiel Kollegen in der Planung und Konzeption von Anlagen(teilen), beim Erstellen von Steuerungsarchitekturen oder auch im Kundenkontakt.

Bereits im fünften Semester absolvieren die Verbundstudierenden dann das Praxissemester: das bedeutet man arbeitet vier Tage die Woche im Betrieb und besucht an einem Tag an der Hochschule die so genannten Praxisergänzungsfächer. Ich zum Beispiel habe Betriebspsychologie und Wirtschaft und Recht gewählt. Bei KUKA bin ich nun in der Elektrokonstruktion tätig und arbeite dort ganz regulär mit. Mein aktuellstes Projekt: Es sollte ein Testlauf des neuen Leichtbauroboters LBR iiwa stattfinden, um die Genauigkeit der internen Sensoren bei hoher, niedriger und schwankender Temperatur zu untersuchen. Ich habe den Schaltschrank dazu konstruiert, in dem sich die Robotersteuerung befindet und in dem die Signale der Sensoren verarbeitet werden. Meine Aufgabe bestand darin, all die Komponenten im Schrank unterzubringen, fehlende Teile zu bestellen und einen Stromlaufplan zu zeichnen, der anschließend an die Elektrovormontage geht, wo er jetzt gebaut wird.

Diese Tätigkeiten werden dann im November für einige Wochen für die Abschlussprüfung Teil 2 – also die „Gesellenprüfung“ unterbrochen. Diese gestaltet sich ähnlich wie schon die Zwischenprüfung Ende des ersten Lehrjahres: Man bekommt einen Gitterrahmen, der mit einigen klassischen elektrischen Betriebsmitteln bestückt ist (FI, Schütze, SPS, Klemmen, Sicherungen, Motorschutzschalter etc.). Diesen muss man während der Prüfungszeit nach vorgegebenem Plan verdrahten. Die Schaltung stellt meist eine Ansteuerung für eine auf einer selbstgelöteten Platine simulierte Anlage dar. Den theoretischen Teil dieser Prüfung habe ich in dieser Woche absolviert, der praktische folgt im Februar. Mit dem Bestehen ist offiziell meine Ausbildung beendet. Jetzt kann ich mich voll und ganz auf das Studium konzentrieren und das sechste Semester absolvieren. Das siebte Semester schließlich ist für die Bachelorarbeit reserviert, in deren Rahmen man sich mit einem Thema im Unternehmen beschäftigt.

Insgesamt halte ich das Verbundstudium für ein sehr gutes Angebot für alle, die bereits im Studium praktisch einsteigen möchten. Der regelmäßige Wechsel zwischen Studium und Beruf ist abwechslungsreich und ich bin sicher, die Erfahrungen und Kontakte aus dem praktischen Teil werden sich im späteren Berufsleben bewähren.

Weitere Infos über das duale Studium bei KUKA findet ihr auch auf unserer Website.

VN:F [1.9.22_1171]
Eure Bewertung ?
Rating: 3.0/5 (5 votes cast)
Doppelt hält besser, 3.0 out of 5 based on 5 ratings